Mein erster Spaziergang mit Rosalie

 – Autorin: Heidi Funk

Mit ihrem auffälligen Äußeren fiel mir die Fellponymulistute Rosalie in der Herde trotz ihrer nur 140 cm schon am ersten Tag auf. Doch nicht nur ihr buntes Fell auch ihre Wimpern, die auf der einen Hälfte schwarz und auf der anderen weiß sind, faszinierten mich. Ich wollte Rosalie näher kennen lernen.

Als mich Julia eines Tages fragte, ob ich nicht Lust hätte, mit „der kleinen Zicke“ zu arbeiten, war ich gleich Feuer und Flamme. Hochmotiviert und mit ihrem Halfter in der Hand ging ich in die Herde und rief sie bei ihrem Namen. Sie schaute gleich neugierig auf und ließ sich auch problemlos fangen, genoss das ausgiebige Putzen, gab brav sämtliche Hufe, alles fein. Sie hatte zwar jeden meiner Handgriffe genau beäugt, aber es war wohl soweit alles ok, was ich gemacht hab. Nur in die Nähe ihrer Ohren durfte ich nicht kommen.

Nach einigen Einheiten Bodenarbeit im umzäunten Raum wollte ich mal mit ihr raus. Vor unserem ersten Spaziergang empfahl mir Julia, sie nur an einem extralangen Führstrick mitzunehmen. Ich folgte ihrem Rat, auch wenn ich nicht wusste, wozu ich einen soooo langen Strick brauchen würde. Schließlich hatte ich ja schon x-mal ein Muli geführt, was sollte daran mit der kleinen Rosalie nun schon groß anders sein…

Als wir den Hof verlassen hatten, sollte mir allerdings schon bald klar werden, dass ein Spaziergang mit Rosalie kein gewöhnlicher Muli-Spaziergang ist. Die ersten 500 Meter lief sie noch ganz wunderbar neben mir. Doch dann fand sie die von mir eingeschlagene Richtung doof und machte „urplötzlich“ (so zumindest meine damalige Wahrnehmung) kehrt. Die Folge frei nach Johann W. von Goethe: Halb zog sie mich, halb sank ich hin. Wohin? Natürlich heim Richtung Stall. Dann musste ich blitzschnell meine Beine sortieren, um nicht zu Fall zu kommen. Einen winzigen Moment war ich wohl unaufmerksam. Darauf, dass dieses „kleine süße“ Muli scheinbar aus dem Nichts so viel Power entwickelte, war ich einfach nicht vorbereitet. Sie dann davon zu überzeugen, dass der Spaziergang hier noch nicht beendet war, dauerte eine ganze Weile. Aber ich blieb konsequent, denn ich hatte einen ganz bestimmten Punkt im Wald vor Augen, den ich mit ihr gemeinsam erreichen wollte. Und natürlich haben wir es am Ende auch geschafft.

Rosalie ist für mich eine sehr gute Lehrmeisterin in Sachen Aufmerksamkeit und Zielorientierung. Wenn ich weiß, was ich will und einen Plan habe, dann arbeitet sie super und gerne mit. Die Zusammenarbeit wird immer besser, je mehr Zeit wir miteinander verbringen. Natürlich geht es auch mal wieder ein paar Schritte zurück, aber insgesamt läuft es prima.

Und diese Bilder sagen ja wohl ohnehin mehr als 1000 Worte, oder?

Maultier Rosalie genießt das Kraulen

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